Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege

Expertenstandard Mobilität

Expertenstandard Mobilität nach DNQP

Das Thema Bewegung und Mobilität spielen unser ganzes Leben eine zentrale Rolle und wir hoffen, diese bis ins hohe Alter zu behalten. Ist die Mobilität doch Sinnbild für Eigenständigkeit und Autonomie. Um die Erhaltung und Förderung geht es im Expertenstand Mobilität nach DNQP, sowie welche Maßnahmen empfohlen sind. Die Anwendung kleiner Übungen und der Gebrauch von Hilfsmitteln können bereits helfen, die Mobilität zu Fördern und langfristig zu wahren. Auch die Verhütung von Stürzen, welche als häufigste Auslöser von Immobilität bekannt sind, sind thematisch erfasst.

Präambel

Mobilität und Mobilitätserhaltung sind für pflegebedürftige Menschen3 und für Menschen, die von Pflegebedürftigkeit bedroht sind, von besonderer Wichtigkeit. Mobilität ist in vielen Le-bensbereichen eine grundlegende Voraussetzung für Selbstständigkeit und autonome Le-bensführung, für soziale Teilhabe, Lebensqualität und subjektives Wohlbefinden. Bewegungsmangel und Mobilitätseinbußen gehören zu den zentralen Risikofaktoren für schwerwiegende Gesundheitsprobleme und sind zusammen mit kognitiven Beeinträchtigun-gen die wichtigsten Ursachen für dauerhafte Pflegebedürftigkeit. Die Mehrheit pflegebedürftiger Menschen, die durch Pflegefachkräfte versorgt werden, ist von Mobilitätseinbußen unterschiedlichster Ausprägung betroffen. Die Studienlage zeigt, dass Mobilitätseinschränkun-gen durch gezielte Förderung beeinflusst werden können.

Mobilitätserhaltung und Mobilitätsverbesserung sind daher zentrale Ziele einer professionellen Pflege. Pflegerische Maßnahmen zur Erhaltung oder Förderung der Mobilität tragen dazu bei, elementare Grundlagen der selbstständigen Lebensführung zu erhalten. Sie leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag, um die Entstehung neuer Funktionseinbußen und gesundheit-licher Störungen zu verhindern, die sich ihrerseits auf die Mobilität auswirken und somit einen Prozess befördern, der in eine weitgehende Abhängigkeit von pflegerischer Hilfe führt.

Erhaltung und Verbesserung von Mobilität weisen daher auch ein großes Potenzial für Ge-sundheitsförderung und Prävention auf. Dies gilt sowohl für den allgemeinen gesundheitlichen Status und elementare Ressourcen der Selbstpflege als auch für spezifische Risiken, mit de-nen sich pflegebedürftige Menschen konfrontiert sehen. Bei einer Sturz-, Kontrakturen-, Thrombose-, Pneumonie-, Dekubitus- oder Obstipationsgefährdung ist die Fähigkeit, sich fort-zubewegen und eigenständig Lageveränderungen des Körpers vorzunehmen, stets von ele-mentarer Bedeutung. Dementsprechend sind Maßnahmen zur Verbesserung bzw. zum Erhalt dieser Fähigkeit ein wichtiges pflegefachliches Mittel, um diesen Gefährdungen frühzeitig ent-gegenzuwirken.

Der vorliegende Expertenstandard Mobilität definiert Mobilität als die Eigenbewegung des Menschen mit dem Ziel, sich fortzubewegen oder eine Lageveränderung des Körpers vorzuneh-men. Lageveränderung und Fortbewegung umfassen den Lagewechsel im Liegen, Sitzen, das Aufstehen und das Umsetzen sowie das Gehen mit oder ohne Hilfen. Der Expertenstandard Mobilität formuliert einen allgemeinen konzeptionellen Rahmen für die evidenzbasierte, bedürfnisge-rechte Pflege zur Erhaltung und Förderung der Mobilität. Er richtet sich an Pflegefachkräfte und Einrichtungen in der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege, also Versor-gungsbereiche, in denen die Begleitung pflegebedürftiger Menschen eine gewisse Kontinuität aufweist und damit eine stetige Förderung der Mobilität möglich ist.

Damit angesprochen sind ausdrücklich auch Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, bei denen jedoch manche Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Mobilität eine besondere Herausforderung dar-stellen und in Teilen auch an Grenzen stoßen. Die im Rahmen der Langzeitpflege ebenfalls stattfindende Versorgung von pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen ist im Standard nicht explizit angesprochen.

An die Akutpflege im Krankenhaus stellen sich je nach Bereich vergleichbare, aufgrund der kurzen Verweilzeiten oft aber auch abweichende Anforderungen. Bei der Pflege in Rehabilita-tionseinrichtungen können Teile des Expertenstandard Mobilität ebenfalls Anwendung finden, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Pflege hier in der Regel Teil definierter Programme ist, die von anderen Berufsgruppen strukturiert werden. Von Pflegefachkräften in Einrichtungen der Behindertenhilfe ist der Standard prinzipiell anwendbar, sofern die dort geregelte Kooperation mit anderen Berufsgruppen einen geeigneten Handlungsrahmen bietet. In einigen Einrichtungen der Behindertenhilfe werden Bewegungsangebote von Physio-, Sporttherapeuten oder ande-ren Berufsgruppen durchgeführt oder koordiniert. Unter diesen Umständen sind verschiedene pflegefachliche Vorgaben des Standards auf diesen Versorgungsbereich nicht ohne weiteres übertragbar. Expertenstandard Mobilität

Aber auch in der Langzeitpflege ist für die systematische Förderung der Mobilität ein geeigneter Rahmen erforderlich. Soll sie Wirksamkeit entfalten, kann sie nicht nebenbei erfolgen, und es darf auch nicht den zufällig entstehenden Spielräumen im Versorgungsalltag überlassen bleiben, ob eine Förderung der Mobilität erfolgt oder nicht. Die Umsetzung des Standards setzt dementsprechend einen expliziten pflegerischen Auftrag voraus. Dieser entsteht durch die Vereinbarung zwischen einem pflegebedürftigen Menschen und einer Pflegefachkraft im Rah-men des Pflegeprozesses. Diese Verständigung erfolgt vor dem Hintergrund gesetzlicher, vertraglicher und finanzieller Rahmenbedingungen, die für die verschiedenen Bereiche der pflegerischen Versorgung unterschiedlich gestaltet sind.

Für die ambulante Pflege gelten einige andere strukturelle Voraussetzungen, um Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Mobilität im Rahmen des pflegerischen Auftrags vereinbaren zu können. Dies betrifft insbesondere die Gewährleistung einer engmaschigen Begleitung der Maßnahmen sowie der für den ambulanten Bereich besonders betonten Bedeutung von Infor-mation, Anleitung und Beratung.

In der stationären Versorgung besteht hinsichtlich der Vereinbarung von Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Mobilität eine größere Freiheit in der Planung und Gestaltung von Pflegemaßnahmen als in der ambulanten Pflege, da Pflegeleistungen pauschal und nicht verrichtungs- oder leistungskomplexbezogen vergütet werden. Die Umsetzung des Expertenstand Mobilität in der ambulanten und stationären Pflege zur Erhaltung und Förderung der Mobilität erfordert eine Entsprechung in den zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen. Die Vertragsparteien sind hier gefordert, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen.

Für die Kurzzeitpflege und die teilstationären Einrichtungen gilt einerseits Ähnliches wie für die stationäre Pflege, andererseits geht es nicht, wie in der stationären Pflege, um eine dauerhafte und kontinuierliche Gestaltung des Pflegeprozesses, sondern um eine zeitlich begrenzte Ver-sorgung. Ihre Aufgabe besteht entsprechend ihres jeweiligen Auftrags und der individuellen Pflegesituation in edukativen Maßnahmen, wie z. B. Beratung, Vermittlung von Informationen und der Wahrung der Kontinuität von Maßnahmen, die im jeweiligen Versorgungssetting be-gonnen wurden und die es fortzuführen gilt. Daher sollte auch in diesen Einrichtungen ein Konzept zur Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege vorliegen, auf dessen Grund-lage entsprechende mobilitätserhaltende und -fördernde Maßnahmen initiiert werden können.

Die Vereinbarung und Umsetzung eines pflegerischen Auftrags zwischen dem pflegebedürfti-gen Menschen und der Pflegefachkraft ist das Ergebnis eines Aushandlungsprozesses. Als allgemeiner Grundsatz professionellen Pflegehandelns gilt dabei die Berücksichtigung des Selbstbestimmungsrechts des pflegebedürftigen Menschen. Dieses umfasst immer das Recht, auf Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Mobilität zu verzichten. Die Herausforde-rung für die Pflege besteht darin, dem pflegebedürftigen Menschen Möglichkeiten zur Erhal-tung und Förderung der Mobilität darzulegen und Hinweise auf die damit verbundenen Chancen zur Verbesserung der individuellen Lebensqualität aufzuzeigen. Da es oftmals nicht allein physische Faktoren sind, die zu einer Beeinträchtigung der Mobilität führen, sondern auch nachlassende Motivation oder Ängste einen Einfluss haben können, kommt diesen As-pekten eine hohe Bedeutung im Aushandlungsprozess zu.

Für die Erhaltung und Förderung der Mobilität werden im Expertenstandard Mobilität drei verschiedene Maßnahmen unterschieden. Neben gezielten Einzel- und Gruppeninterventionen wird der Integration von mobilitätsfördernden Aspekten in Alltagsaktivitäten und alltäglichen pflegeri-schen Maßnahmen ein hoher Stellenwert eingeräumt. Bei der Umsetzung des Expertenstandard Mobilität sind die jeweiligen Anforderungen in den verschiedenen Settings der Lang-zeitpflege zu berücksichtigen. So werden ambulante Pflegedienste, anders als voll- oder teil-stationäre Einrichtungen, für ihre Klientel in der Regel keine eigenen Gruppenaktivitäten zur Förderung der Mobilität anbieten können, auch wenn diese grundsätzlich möglich sind. Dem-gegenüber hat die Beratung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen in der ambulanten Pflege einen besonderen Stellenwert.

Expertenstandard Mobilität

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