Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz

Expertenstandard Demenz

Expertenstandard Demenz als Seminar

Demenz stellt eine Erkrankung mit vielen Facetten da, welche im Verlauf massiv unterschiedlich sein kann und ein hohes maß an Emphatie sowie Wissen benötigt.

Im Seminar erhälst du Einblicke in das Krankheitsbild und die Veränderungen, welche mit diesem einhergehen. Du lernst Möglichkeiten um den Umgang zu fördern und Demenzpatienten an einem Sozialen miteinander teilhaben zu lassen.

Auszug aus dem Expertenstandard Demenz

Definition und Bestimmung der Zielgruppe

Zielgruppe dieses Expertenstandards sind alle Menschen mit einer diagnostizierten Demenzerkran-kung sowie Menschen, bei denen sich mit Beginn des pflegerischen Auftrages bzw. im Verlauf der Pflege Anzeichen von Demenz zeigen, ohne dass jedoch eine Demenzdiagnose vorliegt. Angehörige5 und insbesondere pflegende Angehörige sind gemäß ihrer Wünsche und Möglichkeiten bei der Pflege einzubeziehen. Sie sind einerseits Adressaten der Pflegefachkräfte und werden beispiels-weise informiert, angeleitet oder beraten. Andererseits sind sie auch eine wichtige Ressource für den Menschen mit Demenz, indem sie z. B. den Pflegenden Informationen über bedeutsame biografi-sche Hintergründe, zu den Gewohnheiten und Wertvorstellungen des Menschen mit Demenz sowie zur Einschätzung seiner verbal oder durch Verhalten geäußerten Bedürfnisse geben. Sie sind auch Mitwirkende in der Umsetzung pflegerischer Maßnahmen und leisten damit kommunikative und interaktive Beiträge zu seiner Lebenswelt und seiner Beziehungsgestaltung. Spezifisches pflegerisches Handeln in Situationen, in denen Menschen mit Demenz soziales und emotionales Verhalten zeigen, das aus Sicht der Pflegenden oder der Angehörigen als problematisch, störend und damit als herausfordernd erlebt wird, wird in diesem Expertenstandard nicht ausdrücklich beschrieben.

Gleichwohl ist die Expertenarbeitsgruppe davon überzeugt, dass mangelnde Bedürfnis- und Beziehungsorientierung bei Menschen mit Demenz herausfordernd erlebtes Verhalten hervorrufen oder zumindest befördern kann. Daher bilden person-zentrierte, beziehungsgestaltende und -fördernde Maßnahmen eine notwendige Grundlage für die Einfluss-nahme auf die Entstehung von herausfordernd erlebtem Verhalten.

Die Palliativversorgung von Menschen mit Demenz als spezifische Aufgabe, wie sie z. B. in Hospizkon-zepten verankert ist, steht ebenfalls nicht im Mittelpunkt dieses Expertenstandards. Ebenso können die spezifischen Beziehungsbedarfe von Menschen mit frontotemporaler Demenz nicht bearbeitet werden. Gleichwohl geht die Expertenarbeitsgruppe davon aus, dass grundlegende Elemente einer person-zentrierten Beziehungsgestaltung auch für diese Personengruppen zutreffen.

Zielsetzung Expertenstandard Demenz

Dieser Expertenstandard fordert von Pflegefachkräften eine person-zentrierte Pflege von Menschen mit Demenz. Diese ist mit einer Haltung verbunden, die die Person in den Mittelpunkt stellt und dabei die Demenz nicht als medizinisches Problem wahrnimmt, sondern den Menschen mit Demenz als einzigartiges Subjekt mit individuellen Unterstützungs- und Beziehungsbedarfen sieht. Person-sein zeigt sich in einer von Akzeptanz, Vertrauen und Respekt geprägten Dynamik, mit der Menschen miteinander in Kontakt sind. Personsein beschreibt Interaktion und Kommunikation, also ein Beziehungsgeschehen, in dem bestehende Unterschiede zwischen Menschen als irrelevant zu betrachten sind. Personsein bedeutet auch die gelingende Einbindung in Sozialbeziehungen, wodurch ein Gefühl gesellschaftlicher Zugehörigkeit ermöglicht wird. Unterschiede rechtfertigen keine Exklu-sion, Stigmatisierung und Diskriminierung. Menschen bilden eine Gemeinschaft, da niemand ohne eine andere Person sein kann. Jeder ist auf Anerkennung durch Andere angewiesen. Eine solche Anerkennungsgemeinschaft ist für ein kooperierendes und solidarisches Handeln konstitutiv. Die Tatsache, dass bei einem Menschen Anzeichen einer Demenz erkannt bzw. eine Demenz diagnosti-ziert wurde, stellt daher keinen Grund dafür da, ihr das Personsein abzusprechen, sondern im Gegen-teil sind die Bemühungen um den Erhalt des Personseins zu verstärken.

Diesem Anspruch steht häufig die Funktionalität von Gemeinschaften und Organisationen entgegen, die nur begrenzt mit Irritationen durch die Auswirkungen von Demenz leben können und oft mit Exklusion aus sozialen Zusammenhängen oder der Negierung sinnhaften Handelns dieser Personengruppe reagieren. Im Ergebnis wird der Andere nicht mehr als gleichberechtigtes und anerkanntes Subjekt wahrgenommen, sondern als fremd erlebt bzw. nur noch als Repräsentant einer störenden Art, als Objekt stigmatisiert und versorgt. Das Risikomanagement einer Organisation sowie das Sicherheitsempfinden der an der Versorgung Beteiligten und nicht Autonomie und Selbstbestimmung der Menschen mit Demenz drohen dann im Vordergrund zu stehen. Entspricht dies der Haltung des professionellen Teams, so besteht die Gefahr, dass die Versorgung darauf gerichtet ist, (Verhaltens-) Störungen zu unterbinden und sozial akzeptables Verhalten von Menschen mit Demenz zu erwarten. Dies hat allerdings mehr mit unreflektiert akzeptierten gesellschaftlichen Erwartungen an das Verhalten in sozialen Situationen zu tun, als mit den Wünschen und Bedürf-nissen der Menschen mit Demenz.

Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen dieses Expertenstandard Demenz die Beziehungsgestaltung und -förderung von Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt gestellt. Aufgabe der Pflegefach-kräfte ist es, Menschen mit Demenz als gleichberechtigtes Gegenüber wahrzunehmen und anzu-erkennen. Sie tragen dadurch zur Aufrechterhaltung des Personseins bei und erhalten und fördern das Gefühl des Menschen mit Demenz, gehört, verstanden und angenommen zu werden sowie mit anderen Personen verbunden zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen Pflegefachkräfte auch vor der Herausforderung, anderen Personen in der unmittelbaren sozialen Umwelt des Menschen mit Demenz, beispielsweise Angehörigen oder Assistenzpersonen, diese Kompetenz der Wahrnehmung und Anerkennung zu vermitteln.

Anwender des Expertenstandard Demenz

Anwender dieses Expertenstandards sind Pflegefachkräfte ohne spezielle Weiterbildung im geron-topsychiatrischen Bereich. Im Expertenstandard wird dennoch deutlich, dass die person-zentrierte Beziehungsgestaltung mit Menschen mit Demenz ohne besondere Kompetenzen nicht bewältigt werden kann. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass es weniger um das Was der Pflege geht, beispielsweise die funktionale Unterstützung im körperlichen Bereich, sondern um das Wie der Pflege, also einer zugewandten und verstehenden Haltung der Pflegenden. Ein solches Verstehen beruht auf der Entwicklung einer Hypothese über Erleben, Sinngebung und Verhaltensweisen des Menschen mit Demenz. Dieser durch eine Verstehenshypothese geleitenden Vorgehensweise kommt im Rahmen einer person-zentrierten Pflege von Menschen mit Demenz eine entscheidende Bedeutung zu. Entsprechende Kompetenzen erlangen Pflegefachkräfte beispielsweise durch Schu-lungen, Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachpflege oder durch ein pflegewissenschaftli-ches Studium, wenn diese Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen einen solchen Schwerpunkt aufweisen.

Expertenstandard Demenz

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