Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden

Expertenstandard chronische Wunden

Expertenstandard chronische Wunden

Die Chronifizierung von Wunden kann zu vielen Problemen führen. Ein umfangreicher Blick auf die Wundproblematik ist also unabdingbar um die Chronifzierung in den Griff zu bekommen. Genau hier setzt der Expertenstandard chronische Wunden an.

Auzug Expertenstandard chronische Wunden

GZielsetzung

Der Pflegebedarf von Menschen mit den oben genannten Wundarten entsteht aus den wund- und therapiebedingten Einschränkungen auf das Alltagsleben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Mit jeder chronischen Wunde sind neben körperlichen Beeinträchtigungen (z. B. Schmerzen) auch Einschränkungen der Selbständigkeit und des sozialen Lebens verbunden. Hauptsächliche Gründe dafür sind mangelnde Bewegungsfähigkeit und Belastungen, die durch Wundgeruch und -exsudat hervorgerufen werden. Aufgabe der Pflege ist die Förderung und Erhaltung des gesundheitsbezogenen Selbstmanagements und des Wohlbefindens der Betroffenen.

Sie sollten – soweit möglich – Maßnahmen zur Heilung der Wunde, zur Symptom- und Beschwerdenkontrolle und zur Rezidivprophylaxe erlernen und das Erlernte in ihren Alltag integrieren und nachhaltig umsetzen. Wenn das gesundheitsbezogene Selbstmanagement nicht oder nur bedingt möglich ist, wie z.B. bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen, übernehmen und begleiten Pflegefachkräfte primär temporär und sekundär dauerhaft die Durchführung der Wundversorgung und/oder Maßnahmen zur Rezidivprophylaxe.

Voraussetzung für den Expertenstandard chronische Wunden

Wundheilung und Rezidivprophylaxe sind nur in enger Zusammenarbeit mit den Betroffenen, deren Angehörigen und den beteiligten Berufsgruppen zu erreichen. Eine Versorgung nach dem Muster der Akutversorgung ist nicht angebracht, da sie weder mit dem chronischen Charakter der Erkrankung noch den Alltagsbedürfnissen der Patienten/Bewohner zu vereinbaren ist. Qualitative Studien zu Erfahrungen mit Verbandwechsel, Kompressionstherapie oder schlecht riechenden Wunden weisen darauf hin, dass sich Betroffene in erster Linie als „Wunde“ und nicht als Mensch behandelt fühlen. Für die Zusammenarbeit der Betroffenen mit den professionellen Akteuren, aber auch auf Art und Ausmaß des gesundheitsbezogenen Selbstmanagements haben diese Erfahrungen erhebliche Auswirkungen.

Patienten/Bewohner, die beispielsweise als „noncompliant“ hinsichtlich der Kompressionstherapie beschrieben werden, missachten die Verordnungen meist nicht aus Gründen mangelnder Auffassungsgabe oder mangelndem Kooperationswillen, sondern aufgrund abweichender Vorstellungen zur Therapie und deren Relevanz.

Betroffene verfügen über individuelle Vorstellungen zur Entstehung der Wunde und deren erfolgreicher Therapie und erleben Ängste im Umgang mit der Wunde. Studien zum Thema „Chronische Krankheiten“ zeigen, dass betroffene Menschen in der Versorgung nicht immer das Ziel eines optimalen Krankheitsmanagements, sondern vorrangig „Normalität“ im Alltag anstreben. Eine wertschätzende und verstehende Haltung und Kommunikation sowie eine bedürfnisorientierte Pflegeplanung, Information, Schulung und Anleitung der Betroffenen sind wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Behandlung von Menschen mit chronischen Wunden. Der Expertenarbeitsgruppe ist wichtig darauf hinzuweisen, dass bei Patienten/Bewohnern mit chronischen Wunden nicht immer die Wunde oder die Wundheilung im Vordergrund stehen. Abhängig von der individuellen Lebenssituation müssen zur Erreichung einer bestmöglichen Lebensqualität bei den Pflegezielen entsprechend andere Prioritäten gesetzt werden.

Die im Expertenstandard thematisierten chronischen Wunden sind überwiegend Komplikationen bestehender unterschiedlicher Grunderkrankungen, wie der chronisch venösen Insuffizienz, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit oder des Diabetes mellitus. Eine Heilung dieser Wunden und eine Rezidivprophylaxe sind nur dann zu erreichen, wenn die Grunderkrankung behandelt wird und das Verständnis des Patienten/Bewohners für die Krankheit und den Umgang damit gefördert wird. Im Expertenstandard werden diese Zusammenhänge nur am Rande berücksichtigt, um eine inhaltliche Überfrachtung des Standards zu vermeiden.

Einrichtungen, in denen nur selten Menschen mit chronischen Wunden betreut werden, können auf eine vollständige Einführung verzichten. Es sollte aber dafür Sorge getragen werden, dass die erforderliche Kompetenz zur Anwendung des Expertenstandards verfügbar ist, wenn ein Patient/Bewohner mit einer chronischen Wunde aufgenommen wird.

Anwender des Expertenstandards

Der Expertenstandard richtet sich an Pflegefachkräfte in der ambulanten Pflege, der stationären Altenhilfe und im Krankenhaus. Die Thematik ist jedoch so komplex, dass eine allgemeine pflegerische Expertise nicht in jedem Fall zu allen notwendigen Aufgaben befähigt. Studien weisen darauf hin, dass für die kompetente Wahrnehmung ausgewählter Aufgaben wie z. B. der systematischen Einschätzung und Dokumentation von chronischen Wunden, spezielle Kompetenzen und Erfahrungen notwendig sind. Um den ausgewählten, spezifischen Anforderungen des Expertenstandards entsprechen zu können, müssen Pflegefachkräfte über Qualifikationen verfügen, die der komplexen Problemsituation der Betroffenen gerecht werden.

Zusätzlich müssen sie die Möglichkeit haben, pflegerische Fachexperten anlassbezogen beratend und unterstützend hinzu ziehen zu können. Der vorliegende Expertenstandard orientiert sich an der Logik professionellen Handelns, er kann jedoch nicht vorschreiben, wie dieses Handeln in jedem Fall und unter spezifischen institutionellen Bedingungen umgesetzt wird. Hier kommt dem jeweiligen Management die Aufgabe zu, für eindeutige und effektive Verfahrensregelungen Sorge zu tragen. Dies trifft auch auf die ambulanten Pflegedienste zu, deren vertragliche Vereinbarungen mit ihren Patienten in Form von Leistungskomplexen nur Teilaspekte des möglicherweise tatsächlich identifizierten Pflege- und Unterstützungsbedarfs abdecken.

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